Premiere von „Whistleblower“ und Podiumsdiskussion mit Film-Protagonist:innen am 8.10.2026 in Berlin

Hinweisgeberschutzgesetze und interne Meldesysteme vermitteln den Eindruck, die Welt sei für Whistleblower sicherer geworden. Doch wer Informationen von öffentlichem Interesse öffentlich macht, riskiert weiterhin Einschüchterung, Verfolgung und strafrechtliche Konsequenzen. Der neue Dokumentarfilm „Whistleblower“ begleitet Menschen in Afrika, Europa und den USA, die Korruption, Machtmissbrauch und staatliches Fehlverhalten aufgedeckt haben – und dafür einen hohen persönlichen Preis gezahlt haben.

Die Premiere findet am Donnerstag, 8. Oktober 2026, um 20 Uhr im Kino Passage in Berlin-Neukölln in Kooperation mit Whistleblower-Netzwerk, Transparency International Deutschland und Reporter ohne Grenzen statt. Im Anschluss an die Vorführung diskutieren Regisseur Marc Bauder, Protagonist:innen des Films und Vertreter:innen der beteiligten Organisationen.

Wenn Aufklärung bestraft wird: Die Fälle Lumumba und Hale

Im Zentrum des Films stehen der kongolesische Whistleblower Jean-Jacques Lumumba und der ehemalige US-Geheimdienstanalyst Daniel Hale.

J.-J. Lumumba ©bauderfilm

Jean-Jacques Lumumba deckte als Kreditabteilungsleiter der kongolesischen BGFIBank Korruption und Veruntreuung staatlicher Gelder auf, die bis in den Zirkel des damaligen Präsidenten Kabila reichten. Nachdem er unter vorgehaltener Waffe zum Schweigen aufgefordert worden war, gab er die Dokumente an die belgische Zeitung Le Soir. Die sogenannten „Lumumba Papers“ lösten internationale Ermittlungen aus. Lumumba floh 2016 nach Frankreich. Selbst im Exil war er Zielscheibe von Einschüchterungen – so wurde nach einem Auftritt in Brüssel sein Auto in Paris in Brand gesetzt und eine Tasche mit Laptops gestohlen.

D. Hale u. D. Ellsberg

Daniel Hale arbeitete als Analyst der US-Luftwaffe und für die NSA unter anderem an der Zielauswahl für US-Drohneneinsätze. Die von ihm weitergegebenen „Drone Papers“ offenbarten die verheerende Realität des Drohnenkriegs: Entgegen offiziellen Darstellungen wurde eine hohe Zahl ziviler Opfer in Kauf genommen. Hale wurde daraufhin nach dem Espionage Act angeklagt und 2021 zu 45 Monaten Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt. Für seine Enthüllungen erhielt er 2024 den Ellsberg Whistleblower Award, der von der Wau Holland Stiftung, der Reva and David Logan Foundation, der taz Panter Stiftung und Whistleblower-Netzwerk vergeben wird.

Der Film gibt auch Einblick in die Arbeit der Menschen und Organisationen, die Whistleblower unterstützen: Delphine Halgand-Mishra von The Signals Network sowie William Bourdon und Henri Thulliez von PPLAAF (Platform to Protect Whistleblowers in Africa).

Wenn Whistleblower sich an Medien wenden

B. Obermayer, F. Obermaier © bauderfilm

Anhand der Arbeit der Investigativjournalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier (Panama Papers) zeigt der Film, wie eng Whistleblowing und investigativer Journalismus miteinander verbunden sind. Hinweisgeber:innen liefern häufig den entscheidenden Anstoß oder wichtige Informationen für Recherchen und stärken so den öffentlichen Diskurs.

Der Gang zu den Medien birgt jedoch erhebliche Risiken. Überwachungstechnologien erschweren die sichere Kommunikation mit Journalist:innen. In Deutschland ist eine geschützte Offenlegung gegenüber der Öffentlichkeit nach dem Hinweisgeberschutzgesetz nur unter engen Voraussetzungen möglich. Meldungen zu Missständen im staatlichen Geheimschutzbereich sind ohnehin weitgehend vom Schutz ausgenommen. Geplante Einschränkungen beim Informationsfreiheitsgesetz könnten den Zugang von Bürger:innen und Medien zu Informationen von öffentlichem Interesse zusätzlich erschweren.

Die Premiere von „Whistleblower“ und die anschließende Podiumsdiskussion bringen deshalb drei Perspektiven zusammen: die von Whistleblower:innen, die von Journalist:innen und die von Organisationen, die sich für Hinweisgeber:innen, Transparenz und Pressefreiheit einsetzen.

Podium

  • Marc Bauder – Regisseur von „Whistleblower“

    D. Halgand-Mishra © bauderfilm
  • Jean-Jacques Lumumba – Whistleblower
  • Delphine Halgand-Mishra – Gründerin von The Signals Network
  • Kosmas Zittel – Geschäftsführer von Whistleblower-Netzwerk
  • Moderation: Louisa Schloussen, Leiterin der AG Hinweisgeberschutz von Transparency International Deutschland

Eckdaten zur Premieren-Veranstaltung

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